Die Grundtechnik

Der Ansatz ist, die Handlung des Werfens einer Pétanque-Boule als eine Reihe von einfachen Abläufen oder Schritten zu behandeln. Hier wird dem Anfänger gezeigt, wie man diese Schritte nacheinander durchführt. Nach dem Beherrschen dieser Grundlagen kann der Spieler diese dann an verschiedene Situationen weiter anpassen und seinen eigenen persönlichen Stil entwickeln.

In diesem Beitrag beschreiben wir diese Methode. Zuerst beschreiben wir die Schritte in etwa der gleichen Weise, wie ein Trainer sie einem Schüler beschreiben könnte.

Wir nennen diese Methode die 7 + 3 Methode, weil sie sich in 2 Teile gliedert:

Teil 1 behandelt das „physische Spiel“ – sieben Teilschritte, wie das Werfen der Boule vorgenommen wird.
Teil 2 deckt das „mentale Spiel“ ab  – drei Teilschritte des mentalen Wurfprozesses

Die Schritte im physischen Spiel sind:

P1 Füße
P2 Hand
P3 Handgelenk
P4 Biegung
P5 zurück
P6 Schnippen
P7 Nachhalten

Die Schritte im mentalen Spiel sind:

M1 Plan
M2 Auswahl
M3 Überwachen

In dieser Beschreibung gehen wir davon aus, dass du mit deiner rechten Hand wirfst. Wenn du Linkshänder bist, tausche die Worte „rechts“ und „links“aus.


Schritt 1 : Das physische Spiel

P1 Füße

  • Stehe im Kreis.
  • Stell deinen rechten Fuß so, dass die Fußspitze auf die Stelle zeigt, wo die Boule landen, resp. liegenbleiben soll; normalerweise bedeutet dass, dass sie auf die Zielkugel zeigt
  • Dein linker Fuß sollte mit bequemen Abstand parallel zum rechten stehen.  Manche Leute ziehen es vor, den linken Fuß mit einer leicht offenen Haltung etwas hinter den rechten Fuß zu stellen


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P2 Hand

  • Öffne deine Wurfhand, Handfläche nach oben.
  • Strecke deine Finger aus. Halte sie gerade, parallel und zusammen.
  • Strecke deinen Daumen zur Seite.
  • Stell dir vor, in deiner Hand sei ein V, wobei das V auf dein Handgelenk zeigt. Der untere Punkt des V ist dort, wo die Lebenslinie deiner Hand endet.

  • Platziere die Boule so in deiner Handfläche, dass sie in das V passt.

  • Bewege deine Finger über die Boule.
  • Jetzt sollten deine Finger zusammenliegen und so über die Boule gefaltet sein, dass die Boule in dem V gehalten wird.
  • Entspanne deinen Daumen, so dass er nach vorne kommt und die Seite deines ersten Fingers leicht berührt; er darf aber nicht die Kugel berühren.

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Nachfolgend 2 Bilder, wie die Boule NICHT gehalten werden soll. Auf dem einen ist die Boule nicht in das V gelegt, sondern wird vom Daumenballen gehalten. Der linke und Ringfinger sind links um die Boule gelegt, anstatt oben auf der Boule.

Und das nächste Beispiel ist der „Klauengriff“ Die Finger sind gespreizt, der Daumen hält die Boule. Man sieht diesen Griff oft bei Kindern, die mit Boules für Erwachsene spielen, die zu groß für ihre Hände sind. Falls dies die einzige Möglichkeit ist, deine Boule sicher zu halten, solltest du mit kleineren Boules spielen!

P3 Handgelenk

  • Drehe deine Hand, so dass du auf deinen Handrücken schaust.
  • Drehe nicht deinen Unterarm, sondern biege dein Handgelenk von Seite zu Seite, bis deine Hand eine gerade Linie mit deinem Unterarm bildet.

Das Bild auf der linken Seite zeigt, wie dein Handgelenk aussehen sollte. Es ist gerade, so dass die Hand in einer Linie mit dem Unterarm ist.

Das rechte Bild zeigt eine natürliche, aber falsche Haltung – das Handgelenk ist nach rechts gedreht, so dass die Hand keine gerade Linie mit dem Unterarm bildet.

Jetzt probiere, deinen Arm aus der Schulter pendeln zu lassen.

Stelle sicher, dass dein Arm beim Aufschwung gerade und Ellbogen gestreckt ist, und in die Richtung schwingt, in die die Boule gehen soll.

P4 Biegung

  • Strecke deinen rechten Arm nach vorne aus.
  • Strecke deine Ellbogen, so dass dein Arm gerade ist.
  • Denke daran, deine Hand ist umgedreht, Handfläche unten
  • Biege dein Handgelenk vorwärts nach unten, so weit du kannst – als ob du versuchst, deinen Unterarm mit der Boule zu berühren

Auf diesem Bild ist dargestellt, wie das aussehen sollte.

P5.1 Linken Arm zur Balance zurück



Halte deinen linken Arm gerade. Schwinge ihn zurück, hinter deinen Körper, und halte ihn in dieser Stellung. Halte ihn auch dort, hinter dir, während du deinen rechten Arm schwingst und die Boule wirfst, was im nächsten Schritt beschrieben wird.

Wenn sich dein linker Arm gehoben und hinter dir ist, gibt er dir Balance. Du kannst dich ein wenig nach vorne lehnen, und den rechten Arm nach vorne schwingen und die Boule werfen, ohne dass du dein Gleichgewicht verlierst oder gar nach vorne fällst.

Falls du beim Werfen beinahe das Gleichgewicht verlierst oder gar nach vorne fällst, wenn du die Boule wirfst, ist das ein Zeichen, dass du deinen linken Arm nicht oben hinter dir hältst. Ähnlich verhält es sich, wenn du merkst, dass dein linker Fuß sich beim Wurf vom Boden hebt. Das ist ein Zeichen, dass du deinen linken Arm nicht richtig hältst; du hebst dein Bein, um das Gleichgewicht zu behalten; das ist aber die Aufgabe deines linken Arms. Das rechte Bild zeigt all diese Fehler.

P5.2 Zurück

(Das ist der Rückschwung des Wurfes.)

Während du deinen linken Arm hinter dir hältst, schwinge deinen rechten Arm aus der Schulter vorwärts und rückwarts, wie ein Pendel. Halte deinen rechten Arm gerade, wirklich wie ein Pendel. Das ist die Bewegung, die du für den Rückwärtsschwung und den Wurf ausführst.

Starte deinen Schwung nicht, wenn dein Arm zur Erde zeigt! Halte deinen Arm kurz angehoben hinter dir, wenn du kannst, parallel zum Boden. Mache einen hohen Rückwärtsschwung, so dass du die Schwerkraft beim Wurf der Kugel nutzt.

  • Während du das machst, lehne dich leicht nach vorne; das macht es leichter, die rechte Hand ein wenig höher hinter dich zu bekommen.
  • Falls es für dich besser ist, beuge das rechte Knie leicht
  • Während dein rechter Arm  hinter dir hochschwingt, wird dein linker Arm sich ein wenig anheben, um das Gleichgewicht zu halten.
  • Denke daran, deine Hand voll gebeugt zu halten

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Siehe Fotos

Hier ist ein you tube clip eines jungen Mannes beim Üben des Schießens. Er hält kurz auf dem Maximum seines Rückschwungs inne, so dass man seine Ausgangsposition gut erkennen kann. Achte darauf, wie sein Körper leicht vorgelehnt ist und seine beiden Hände hoch hinter ihm erhoben sind. Diese Art des große Rückschwungs – Körper vorgelehnt, beide Hände weit zurück und sehr hoch – ist das was die besten „Schießer“ der Welt beherrschen. „Leger“ hingegen müssen im Allgemeinen ihre Boule nicht so weit wie Schießer werfen und tendieren zu einem moderaten Rückwartsschwung. Es kann sein, dass du erfahrene Leger siehst, die überhaupt keinen Rückschwung machen. „Alles aus dem Handgelenk“ werden sie dir sagen.
Trotzdem solltest du die hier zu sehende Form lernen und ausführen. Das gibt dir eine solide Grundlage, auf der du aufbauen kannst.

Falls du irgendwann mit dem Schießen beginnst, ist das die Form, die du wirst haben müssen, während du als Leger den Rückschwung etwas reduzieren kannst.

P6 Schnippen

(Das ist der „Schaukel“-Teil des Wurfs)

  • Schwinge deinen rechten Arm vorwärts.
  • Schwinge ihn aus der Schulter, wie ein Pendel. Halte deinen Arm und deinen Ellbogen dabei gerade, und deine rechte Hand angewinkelt. (sh. Biegung).
  • Dein linker Arm und deine Hand bleiben mehr oder weniger gehoben hinter dir. Lass sie sich einfach natürlich bewegen. (sh. Fotos weiter unten auf dieser Seite)
  • In dem Augenblick, wenn du die Boule loslässt, schnippe dein Handgelenk nach oben und öffne deine Finger, um die Boule fliegen zu lassen. (Gibt der Boule einen Rückwärtsspin).
Nach dem Schnippen sollte die Hand in folgender Haltung sein. (Das ist die buddhistische abhaya mudra – die „keine Angst“ Handgeste.)

Der Trick hier ist

  1. deinen Arm gerade zu halten, nicht deinen Ellbogen zu beugen, und
  2. nicht deine Hand aus der Biegung zu nehmen: Halte sie während des größten Teil des Schwunges gespannt, und schnippe das Handgelenk erst im letzten Augenblick, bevor du die Kugel frei lässt, nach oben.
Stelle dir vor, du bist Spiderman, schießt ein Netz von der Unterseite des Handgelenks. Nur dass du eine Boule schießt und du vorher deinen Arm schwingen musst.

Die Geschichte von Spiderman, falls du sie nicht kennst ist, dass er ursprünglich nicht die Fähigkeit einer Spinne hatte, um Spinnfäden zu schießen;, also benutzte er mechanische Vorrichtungen, die er unter seinen Handgelenken trug. Um einen Spinnfaden zu  schießen, drückte er einen Knopf in seiner Handfläche, und er hat sein Handgelenk  gespannt. Dein Handgelenk sollte wie seines aussehen. Aber halte die Finger gerade, wie der Buddha..

Hier ist Artem Zuev aus der Kniebeuge legend. Seine Handhaltung ist eine excellente abhaya mudra

Hier noch einmal gezeigt, wie man den Rückwärtsspin der Boule hinbekommt – durch schnelle Aufwärtsbewegung (schnippen) der Hand

von so
nach so

Beim Loslassen der Boule solltest du dir vorstellen, dass du auf ein bestimmtes Ziel schießt. Auf dem Foto unten kannst du sehen, wie ein Meisterspieler das macht. Der Körper ist gedreht, die rechte Schulter kommt nach vorne; man kann fast sehen, wie er die Kugel mit Schulter, Arm und Ferse der Hand wirft.

P7 Nachhalten

  • Nachdem du die Boule freigegeben hast, lass deine Hand und deinen Arm nach oben ausschwingen.
  • Am Ende deines Schwunges sollten deine Hand und dein Arm sich vor dir befinden -oder genauer gesagt, vor deiner Schulter – und in die Richtung zeigen, in die du die Boule gehen lassen wolltest. Deine Finger sollten in die gleiche Richtung zeigen wie dein Arm, und entweder geradeaus oder gerade nach oben.

Hier ist ein Beispiel, wie ein Champion nachhält.

Das Nachhalten kann der wichtigste der sieben Schritte sein. Überrascht magst du fragen:  Wie kann man etwas dafür tun, wohin die Boule geht, nachdem sie deine Hand verlassen hat?

Aber denk darüber nach. Wenn deine Hand auf den Landungsplatz gerichtet ist, wenn du durchgeschwungen hast, dann kannst du sicher sein, dass deine Hand auf den Landungsplatz gerichtet war, als du die Boule freigegeben hast.

Und wenn deine Finger gerade nach oben zeigen, dann hast du nicht zufällig ungewollt die Boule links oder rechts gedreht. Sobald deine Hand ein wenig in die eine oder andere Richtung dreht, wird die Boule dieser folgen.

Also, wenn du feststellst, dass deine Würfe nicht dahin gehen, wo Du sie haben willst  (vor allem, wenn sie konsequent auf die gleiche Seite gehen, links oder rechts), dann achte dein Nachhalten.

Du wirst überrascht sein, wieviel Verbesserung du durch richtiges Nachhalten erreichen wirst.

Schritt 2 – Das mentale Spiel


M1 Plan

Planen ist der erste Schritt. Tue es, bevor du irgendetwas anderes machst. Tue es, bevor du Schritt P1 machst.

  • Gehe nicht einfach raus und wirf die Boule in die allgemeine Richtung des Schweinchens. Habe eine Strategie – wisse genau, was es ist, das du erreichen willst.
  • Jetzt triffst du die klassische Pétanque-Entscheidung: Legen oder Schießen.
  • Als ein Anfänger wird deine Entscheidung meistens auf Legen fallen. Aber Legen wohin? Falls keine Kugeln vor der Zielkugel liegen, denke an  “boule devant, boule d’argent” und lege deine Boule vor das Schweinchen. Und natürlich auch dann, wenn du eröffnest. Wenn einige Kugeln schon links neben dem Schweinchen liegen, lege rechts daneben.
  • Das ist deine Gelegenheit, den „Kopf einzuschalten“ und genau zu erkennen, welche Situation auf dem Feld vorliegt.
  • Jetzt ist auch der Zeitpunkt, dich mit deinen Teamkameraden über die Strategie auszutauschen.

M2 Auswahl

Du hast einen Plan. Dein Fuß ist auf das Donnée ( franz. für Punkt, wo die Kugel auf den Boden auftreffen soll) gerichtet. Die Boule ist eingebettet in deiner Hand und dein Handgelenk gerade. Jetzt ist es Zeit die Auswahl zu treffen, welche Art des Wurfs du ausführen willst.

  • Wähle deinen Wurf. Welches is der beste, um deinen Plan auszuführen? Ein Rollen oder Kullern (franz. Roulette)?  Den halben Bogen (franz. demi-Portée)? Den hohen Bogen (franz. haute Portée)?

  • Wähle zwei Punkte auf dem Terrain aus – (a) Der „Park-Punkt“ – die exakte Stelle, wo die Boule liegen bleiben soll. (b) Der “Landepunkt” (das donnée) – die exakte Stelle wo die Boule auf den Boden aufkommen soll.
  • Falls du die erste Boule in einer Aufnahme legst (mène), wähle den Parkpunkt vor der Zielkugel, und den Landepunkt wiederum davor.

  • Verharre einen Moment auf den Parkpunkt schauend, den Punkt wo die Boule liegen bleiben soll..
  • Dann Konzentriere dich auf den Landepunkt. Denke nicht über deinen Wurf nach. Schau einfach auf den Landepunkt und gestatte deinem Körper, die natürliche Koordination zu übernehmen.
  • ATME. Atme mehrmals lang, langsam, tief, ruhig.
  • Dann biege dein Handgelenk, mach den Rückschwung, und wirf die Boule.

M3 Überwachen

Der letzte Schritt, nachdem die Boule deine Hand verlassen hat, ist, das Bewusstsein zu trainieren.

  • Nachdem du geworfen hast, nachdem die Boule deine Hand verlässt, wirst du dich fragen?Was ist passiert? Habe ich die Boule eines Gegners weggeschlagen? Habe ich in die Nähe des Schweinchens geworfen? Habe ich den Punkt gewonnen? Bin ich ein Held … oder ein Tollpatsch?
  • In der Aufregung kannst du tatsächlich nicht sehen, wo die Boule auf den Boden aufgekommen ist. Dein Ziel in diesem letzten Schritt ist es, diese Aufregung zu kontrollieren und bewusst zu bleiben – weiterhin zu beobachten und sich voll bewusst zu sein, wo deine Boule auf den Boden trifft.
  • Wenn sich die Aufregung gelegt hat, frage dich: Wo genau hat die Boule den Boden getroffen? Wenn du diese Frage nicht beantworten kannst, warst du dir deines Wurfes nicht bewusst.

Es ist wichtig, aufmerksam zu bleiben und sich dessen bewusst zu sein, wo die Boule landet. Es gibt zwei Gründe dafür. Zuerst ist diese Information Rückmeldung zu deinem Gehirn und hilft ihm, deine Hand-Augen-Koordination fein abzustimmen und deine Wurfgenauigkeit zu verbessern. Zweitens ist diese Information Rückmeldung an dich und erzählt dir, ob dein beabsichtigter Landungsplatz eigentlich eine gute Wahl war. Wenn deine Boule genau auf dem beabsichtigten Donné landete, aber dann kurz hielt oder zu weit rollte, dann musst du die Lage des beabsichtigten Landungsplatzes oder die Höhe oder Kraft deines Wurfes anpassen.

Und das Ganze noch einmal kurz zusammengefasst in einem Video, leider nur englisch